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Pinkepinke

Ich habe keine wirkliche Beziehung zu Geld. Was nicht heißt, dass ich wahnsinnig viel davon ausgeben würde. Im Gegenteil. Das ist es vielleicht gerade. Denn der Sinn von Geld ist ja der Umlauf. Geld als solches ist nichts. Nur was man damit macht, ist etwas. Und das bedeutet Umlauf. Dafür wurde es erfunden.

Sicher ist es problematisch, wenn man keins hat. Oder das Falsche. Oder an der falschen Stelle. Oder es kann schwierig sein, wenn man es zu den falschen Bedingungen hat. Oder zu viel. Oder zu wenig. Oder ein anderer hat zu viel. Oder zu wenig. Et cetera. Aber irgendwie interessiert mich das alles nicht wirklich.

Edelmetall

Früher, als die Zeiten auch nicht besser, sondern insbesondere anders -und in vieler Hinsicht schlechter- waren, hatte das Geld selber noch den Wert, den es verkörperte. Als Goldmünze zum Beispiel. Was genauerer Betrachtung auch nicht standhält. Denn der Wert von Gold ist auch nur eine Konvention.  Außer für Zähne und meist scheußlichen Schmuck taugt es schließlich nicht zu vielem. Mir persönlich ist beispielsweise Silber viel lieber und damit gewissermaßen teurer. Also vergessen wir den Louis d´or und wenden uns dem historisch wichtigeren, weil landläufigeren Zahlungsmittel zu: den Kupfermünzen. Kupfer hat einen hohen praktischen Wert, weil man daraus allerlei herstellen kann, ohne so sinnlos überteuert zu sein wie Gold. Tatsächlich ist der Materialwert unserer heutigen Kupfermünzen höher als ihr Nennwert, weswegen sie ja auch abgeschafft werden sollen. Was unter anderem das Ende der 9,99 oder 9,95-Preise bedeutet. Die Trauer wird sich in Grenzen halten. Aber so ohne Glückspfennig/-cent, das wird natürlich schon hart. Da muss dann der Glücksgroschen übernehmen.

Nur um das gleich klarzustellen: Geld als Tauschwährung haben die Chinesen nicht erfunden. Aber auch dort gab es schon früh Bronze- und natürlich Kupfermünzen. In Form von Spaten, Messern, Bratspießen und Entenschnäbeln. Und wieder war es (gähn) Qin Shi Huangdi, der berüchtigte erste Kaiser von China (221 vuZ), der diese bekannte Münzenform einführte: rund wie der Himmel und in der Mitte ein Loch, quadratisch wie die Erde. Dieses quadratische Erdloch war nicht nur kosmologisch sinnreich, sondern auch praktisch, weil man die Münzen dadurch auf Schnüre aufziehen konnte. Was dem einen sein Geldbündel, ist dem anderen seine Schnur Kupfermünzen. Die es dann immerhin etwa 2000 Jahre lang gab. Waren größere Investitionen vonnöten, griff man auf Silberbarren zurück, gerne in Schiffchenform. (Silber wohlgemerkt. Kein Gold. Just saying.)

Papiergeld

Aber irgendwas muss der Chinese schon aus Gründen der seelischen Nationalhygiene erfunden haben. Und Gott sei Dank das hat er das auch: nämlich das Papiergeld.  Denn in Zeiten von Inflation, oder beim Umschlag teurer Güter, werden Transport und Lagerung von unendlich vielen Kupfermünzenschnüren plötzlich teurer, als das Geld selbst wert ist. (Scheint eine indigene Kupfermünzenproblematik zu sein.) Oder zumindest total unpraktisch. Zum Beispiel kostete ein Seidenballen um das Jahr 1000 rum in Sichuan 20.000 Kupfermünzen. Das ist in sich eine ähnlich bescheuerte Aussage, wie die zur Kostbarkeit des Goldes, da Seidenballen damals selber eine Währung darstellten. Nicht nur im Binnenmarkt, sondern insbesondere auch im Kontakt mit dem Ausland. Stichwort Seidenstraße. Das chinesische Geld sollte auch damals schon nur im Inland kursieren. Der Kupfermünzen-Seiden-Vergleich ist also weniger eine Kosten-, als eine Währungsrelation, aber ich denke, das Prinzip ist klar.

Jedenfalls wurde zunächst rein privatwirtschaftlich das Papiergeld erfunden, was vom Kaiser schließlich übernommen und monopolisiert wurde. So ein Papier hatte den Wert von 1000 Münzen. Und die lagen während der Songdynastie als Edelmetalläquivalent denn auch irgendwo ganz körperlich und analog herum. Doch wenn hoher Geldbedarf besteht, reißt so was ja gerne ein und man nimmt es dann mit der Deckung nicht mehr so genau und virtualisiert gewissermaßen das Geld. Natürlich lässt dann die Inflation nicht lange auf sich warten. Insgesamt wurde die Idee irgendwann als gescheitert betrachtet und die Geldfrage zunehmend wieder lokal gelöst.  So richtig warm wurde die konfuzianische Elite ja ohnehin schon mit dem dem Handel nicht, was es dem Geld und einem Verständnis dafür nicht unbedingt leichter machte. Und so wurde das Papiergeld in China für die nächsten paar hundert Jahre wieder abgeschafft, als der Rest der Welt damit noch gar nicht begonnen hatte.

Umtausch

Aber genug von den ollen Kamellen. Heute gibt es den Yuan, der sich in 10 Jiao oder Mao, und dieser wieder in 10 Fen teilt. Oder teilte, denn diese lächerlich leichten Fen-Alumünzen habe ich schon länger nicht mehr gesehen. Und die Jiao genannten Groschen auch nur in eher sinnlosen Zusammenhängen. Einen Yuan gibt es auch als Münze, aber im Grunde ist fast ausschließlich Papiergeld im Umlauf. Und das hat bekanntermaßen seine eigenen Probleme.

Bei meiner letzten Reisebgeleitung stand -wie immer am Anfang- das Problem des Geldtauschens an. Der Wechsel von Bargeld, das Annehmen von Fremdwährung, erfordert in der VR China einen großen bürokratischen Aufwand. Schließlich ist man da eigen mit seinem Geld, das hier und nur hier kursieren soll. Früher gab es sogar eine inländische Fremdenwährung, die sogenannten Foreign Exchange Certficates. Da bekam man als Ausländer also diese FEC, während der Chinese mit Renminbi (Volkswährung) entlohnt wurde. Der schwungvolle Schwarztauschhandel dieser zwei Währungen -schließlich gab es Importgüter nur für FEC- ist mir noch lebhaft in Erinnerung. 1994 wurde diese Zwischenwährung abgeschafft und der Renminbi-Yuan knüpfte vorsichtige Kontakte mit der Außenwelt. Der Schwergängigkeit des Geldtauschens tat dies allerdings keinen Abbruch.

Geht man also mit Teilnehmer_innen einer Reisegruppe zum Geldwechseln, braucht es vor allem eins: Geduld. Vielleicht kann ich hier einfügen, dass das chinesische Schriftzeichen für Geduld eine Klinge über dem Herzen darstellt. Diese potenziell qualvolle Angelegenheit  kann man in der Bank zwar auf roten Samtstuhlgruppen absitzen, die häufig mit Spitzendeckchen oder parolenbeschriebenen Schutzkäppchen verziert sind, aber das unterhält nur kurzfristig. Für den Tauschvorgang einer Person ist ohne nennenswerte Wartezeit etwa eine halbe Stunde zu veranschlagen. Tauschen mehrere, kommt es darauf an, wie viele bereit sind, sich zu einem Gruppentausch zusammenzutun. Es handelt sich auf jeden Fall um einen ernsthaften Programmpunkt im Tagesablauf. (Ich persönlich ziehe mir das Geld in etwa 2 Minuten am Automaten, aber aus irgendeinem Grund ist die Begeisterung für urläublichen Bartausch ungebrochen.)

Doch manchmal hilft auch die ganze Geduld nichts. Zum Beispiel, wenn man mit einer der härtesten Währungen ankommt, die es auf der Welt so gibt. Vielleicht sehen Schweizer Franken den Chinesen zu bunt und lustig aus. Selbst in einer Filiale der großen Bank of China in einer großen chinesischen Stadt. Für so fröhliches Geld rücken sie ihre unglaublich ernsthaften Yuan einfach nicht raus. Viel zu riskant. Vielleicht in Peking oder Shanghai, aber nicht in einer Provinzmetropole mit Einwohnern im zweistelligen Millionenbereich. Ja, wenn es Seidenballen gewesen wären… Wir Schwächeleuronutzer_innen belustigen uns natürlich sehr, aber unser Schweizer Paar nimmt es gelassen. Können sie sich ja auch leisten.

Blüten

Und wer weiß, wofür es gut ist? Die Reise davor hatte beispielsweise ein Reiseteilnehmer nach dem bürokratischen Großvorgang in der Bank glücklich zwanzig 100-Yuan-Scheine in der Hand. Hatte sie nach zahllosen Überprüfungen, Berechnungen, Zuständigkeiten, Unterzeichnung von Formularen, Gegenstempelungen, Hand- und Maschinenzählungen etc. vom freundlichen Bankangestellten ausgehändigt bekommen. Bzw unter Sicherheitsglas durchgeschoben bekommen. Geschafft. Liquide. Gerüstet für die praktische Welt.

Doch wie sich später herausstellte, war jeder einzelne dieser Scheine gefälscht. (Sie hatten sogar alle die gleiche Seriennummer.) Glücklicherweise war die Hälfte davon schon ausgegeben worden -wenn auch manchmal unter Schwierigkeiten-, bevor wir auf diesen Umstand so mit der Nase drauf gestoßen wurden, dass Leugnen zwecklos gewesen wäre. Sobald einem klar ist, dass man Falschgeld in der Hand hält, ist das in Umlaufbringen ja gleich viel schwieriger. Von strafbarer mal ganz abgesehen.  (Ich finde ja, dieser freundliche Bankangestellte hätte seine Blüten der Fairness halber wenigstens unter all den Wechselwilligen aufteilen können.)

Ein paar der Scheine konnte der Geprellte dann innerhalb der Gruppe verkaufen. Als Kuriosa. Und schon hatten sie wieder einen Wert.

 

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