Kategorie-Archiv: Hong Kong

Chicken Run

 

Was erwartet uns im Jahr des Feuerhahns, werde ich zur Zeit regelmäßig gefragt. Ich habe wie immer keine Ahnung. Ich beschäftige mich nur einmal im Jahr mit dem chinesischen Tierkreis und bin heuer extrem spät dran. Ist es vielleicht das, was uns erwartet? Laissez-faire und Versäumnis?

Nein, wenn ich versuche, die etwas verworrenen Texte zusammenzufassen. Die Schlagworte lauten eher: Geschäftigkeit, Produktivität und Konzentration auf das Wesentliche. Ich schlage also innerlich die Hacken zusammen, jawoll, Sir, und mache mich auf die Suche. Da komme ich natürlich nicht weit, denn wie so oft, wenn man es mit dem Chinesischen zu tun hat, steckt der Teufel schon im Wort. Das Jahr des Hahns, sagt sich so leicht. Auf Deutsch. Und auch wenn sich auf Englisch kleine Scherze treiben lassen, ob es „Year of the Cock“, oder doch besser „Year of the Rooster“ heißen soll, besteht am Geschlecht des Tieres kein Zweifel: Ein Gockel. Ein Beschützer. Ein Sonnenaufgangsbefehler. Ein schmucker Angeber. Ein Kämpfer. Ein Frühinderschreddermaschinesterbender. Ein Hahn im Korb.

Aber das gibt das chinesische Wort 雞 (ji) einfach nicht her. Mit Ji könnte genauso eine Henne gemeint sein. Ein Huhn. Sei es dumm oder blind oder beides. Eine Glucke. Ein Sinnbild von Mütterlichkeit. Und Güte. Bebrütet und behütet sein. Flaum und Fittiche. Ein aufgeschreckter Hühnerstall. Ein beruhigend glucksendes Federvieh. Und ich denke, dass das die eigentliche Vokabel ist. Federvieh. (Geflügel klingt so nach Essen.) Im Schriftzeichen selbst gibt es Hinweise darauf, dass es sich um etwas Domestiziertes handelt. Also Vieh. Das Jahr des Federviehs.

Ein kleiner Exkurs in die Entstehung der Welt: Die chinesische Schöpfergöttin Nuwa soll als allererstes genau dieses Federvieh geschaffen haben. Vor Hund, Schwein, Ziege, Ochse und Pferd. Und dann erst denn Menschen. Wie hätte der auch ohne das ganze Viechzeug überleben sollen? Und so überrascht es nicht, dass das Geflügel so ähnlich ausgesprochen wird wie Glück. (Manchmal frage ich mich, ob es auf Chinesisch deswegen so unglaublich viele Vokabeln für Glück gibt, damit möglichst alles so ausgesprochen wird.)

Jedenfalls ist es kein Wunder, dass die Texte zum Federviehjahr oft in sich widersprüchlich sind, denn schließlich gibt es zwischen Hahn und Huhn eine klare, wenn nicht gar statische Rollenverteilung. Aus humanzentristischer Sicht weckt der eine einen auf und die andere bringt´s Frühstück auf den Tisch. Als Abendessen gehen dann beide durch. Der große Gleichmacher Tod. Aber der Broiler oder auch das Gickerl sind mit Ji  雞 jedenfalls nicht gemeint. Geht es also um Geglucke oder Gegockel? Wie wird nun das Jahr, Geschlecht und Gender des Geflügels hin oder her?

Das Element bleibt Feuer, wie letztes Jahr, aber während es da ein Yang-Feuer war, das den Affen zu immer noch wilderen Kapriolen angestachelt hat, ist es nun ein Yin-Feuer.  Dieses wird mit einer Kerzenflamme verglichen. Das kann romantisch sein und mild. Und so soll es auch ein Jahr voller Romantik werden. Doch so ein Kerzlein flackert auch, brennt nervös und hektisch. Wie Blitzlichtgewitter und Showbeleuchtung. Ein Jahr auf dem roten Teppich. So weit so gut. Aber ich muss leider auch hinzufügen, dass zum Yin-Feuer auch Bomben, Explosionen, Feuerwaffen und Krieg zählen. Ein Terroranschlag verkörpert auf nahezu unheimliche Weise das Yin-Feuer.

Abgesehen von den „schönen“ „Astrologie“-Seiten, auf denen einem im Grunde nur Gutes prophezeit wird, scheinen sich überhaupt alle ziemlich viele Sorgen wegen des Yin-Feuers zu machen, das da auf dem Metall (gehört zum Hahn) sitzt. Denn Feuer besiegt Metall, und damit herrscht eine wacklige Situation. A la Astabsägen wenn man drauf sitzt. Wer also auf ein ruhig dahinfließendes Jahr gehofft hat: sieht unter Wandlungsphasengesichtspunkten schlecht aus.

Aber reden wir es schön: Es soll viel Dynamik geben, Veränderung, Umwälzung. Im guten Sinne Transformation, für die, die sich auf Harmonie verstehen. Ich lese den Satz: es ist ein Jahr, in dem man gut daran tut, weniger zu tun, aber das perfekt. Von Strategie ist die Rede, aber auch von Don Quichotterie. Windmühlen sollen im laufenden Jahr einen großen Reiz ausüben. Der Rat lautet (immerhin hat man es auch mit einem ungeheuer rechthaberischen Vieh zu tun): psychologisch die Oberhand über den Gegner erlangen. Aber Achtung: alle, inklusive natürlich und vielleicht insbesondere der Politiker, fühlen sich sehr sehr schnell auf den farbenprächtigen Schwanz getreten.  Gewalt sollte wirklich nur das allerletzte Mittel sein. Weil sonst die Kerze auf dem durchgeschmolzenen Blech einen Funken ins Stroh hustet. Ich fürchte allerdings, bei diesem ultima-ratio-Hinweis handelt es sich um einen Appell und nicht um eine Prognose für das laufende Jahr. Glücklicherweise sind die historischen Beispiele, die die Dramatik eines solchen Yin-Feuer-Geflügel-Jahrs (zB 1957) belegen sollen, wahnsinnig unüberzeugend. Das macht Hoffnung, insbesondere, da es es gleichzeitig ein optimistisches Jahr werden soll.

Denn es geht auch um Zuwachs. Privat, geschäftlich, egal. Neue Leute, neue Möglichkeiten. Es mögen Fetzen und Federn fliegen, aber darunter soll Klugheit doch die Balance halten. (Toitoitoi.) Andere sagen, es sei ein Jahr maximalen Aufwandes bei minimalem Gewinn. Da möge sich jeder und jede nun das Gewünschte aussuchen.

Dem Hund Trump sagt der Hongkonger Fengshuimeister Alion Yeo übrigens ein gutes Jahr vorraus. So sad. Aber: im Hühnerhof soll sich auch Widerstand gegen Diktatorenallüren entwickeln. Für die affengeborene USA werde es anstrengend lese ich an anderer Stelle, aber dafür braucht man wirklich keinen Wahrsager. Und: Im folgenden Hundejahr ist es mit Trumps Höhenflug dann auch wieder zu Ende.  Bis dahin verzapft der Herr Yeo so ermutigende Prognosen wie: das Jahr 2017 ist wie ein kranker Ochse, der es kaum schafft, das Gras um ihn herum zu fressen. Und natürlich soll es Europa (Westen und Metall gehören zusammen) besonders hart erwischen. Andere sagen auch: im Herbst geht die Kerze aus und die Börse kollabiert. Was erwartet uns also: Insgesamt ein fröhliches Sammelsurium, ein Kessel Buntes, ein Cocktail gewordenes Jahr.

Sagen wir mal so: Hauptsache man ist kein Hase. Für die läuft´s in diesem Jahr am unangenehmsten. Außerdem sollte man seiner Leber mal ´ne Pause gönnen und sich einer extrovertierten Garderobe befleißigen. Dann wird das schon. 2017: Gefühle und Katastrophen. Wär doch gelacht.

 

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Vom Wege finden

Ich weiß nicht genau, was ich an der Stelle habe, wo bei anderen der Orientierungssinn und der Sinn für Geografie sitzt. Ob in meinem Hirn andere Informationen oder fancy Apps dieses Areal nutzen, oder ob es sich nur um einen müden Hirnabschnitt mit wenigen Windungen handelt, der aus irgendwelchen Gründen verkümmert ist. Jedenfalls ist da bei mir Dunkeltuten angesagt.

Ungekehrt proportional dazu ist meine Begeisterung für Kartenmaterial. Wenn ich irgendwo bin, möchte ich als erstes eine Karte, einen Stadtplan. Das leuchtet natürlich unmittelbar ein, wenn man es recht bedenkt. Denn auf einer Karte gelingt die Orientierung mühelos. In der realen Welt ins haltlos Unklare gestellt, lassen sich auf einer Karte die Bezüge, die Einordnung in die Welt spielend herstellen. Im Sinne von: man versteht zwar nicht, wo man ist, aber man weiß es. Oder umgekehrt. Schon alleine wegen meiner Orientierungs- und Geografieschwäche kann ich von daher ganz gut Karten lesen. Der Kartenlesesinn ist gewissermaßen ein Subsidiärsinn zum Ortssinn. Und so hört man von mir als Beifahrerin nur selten Sätze wie: „Ich habe keine Ahnung, wo wir sind.“ Oder: „Da hätten wir rausgemusst.“

Chinesische Städte sind für so geografisch anders begabte wie mich sehr komfortabel geplant, insbesondere die Altstädte. Eine schick rechteckige Mauer drumrum und drinnen im Grunde Planquadrate. Die Eckigkeit ergibt sich zwangsläufig aus den in China so beliebten Makro/Mikroanalogien. Denn die Erde als solche ist eckig und der Himmel rund. Ob die Erde dabei gleichzeitig eine Kugel ist, ist und war den Chinesen schon seit jeher eher egal. Das Konzept, dass etwas das so ist, nicht gleichzeitig anders können sein soll, hat dort traditionell keine große Überzeugungskraft. Und die Erde ist ihrem Wesen nach eben quadratisch und der Himmel rund. Basta. Daneben darf sich das alles krümmen und zu Formen verdrehen, wie es will. Damit können sich dann die beschäftigen, die es angeht. Astronomen, oder Seefahrer beispielsweise. Aber nicht die Städtebauer.

Weil die Erde quadratisch ist, bietet es sich an, das Land und dann auch die Stadt ebenfalls als Quadrat zu sehen oder zu bauen. Denn das Kleine enthält das Große. Und umgekehrt. In so einer weltenthaltenden Stadt liegt dann der ebenfalls rechtwinklig ummauerte Palast in der leicht nördlichen Mitte. Und wenn der Laden aus Fengshuisicht Überlebenschancen haben soll, lässt sich der Norden an einer Hügelkette oder ähnlichem erkennen. Dazu kommt, gerade in größeren Städten, der freundliche Zusatz von Himmelsrichtungen zu Straßennanmen. Westliche Verjüngungsstraße, mittlere Verjüngungsstraße oder östliche Verjüngungsstraße. Nördliche, mittlere oder eben südliche Glockenturmstraße. Wenn die Stadt entsprechend groß ist, kommt noch der Zusatz „äußere“ oder „innere“ dazu, was sich auf das Stadtzentrum, beziehungsweise die früher mal existente Stadtmauer bezieht. Da Beijing übersetzt nördliche Hauptstadt heißt, kann dann eine Straße schon mal „Äußere-westliche-nördliche-Haupststadtstraße“ heißen. Der Orientierungsservice, der einem da geboten wird, kann ohne weiteres mit den nummerierten Straßen von Mannheim oder Manhattan mithalten.

Beliebt ist auch der Mitte-Berg für Straßennamen. Leicht kann es passieren, dass man sich  auf der „Mittlere-Mitte-Berg-Straße“ wiederfindet. Dabei handelt es sich nicht um eine Zusammenführung der Berliner Schicknessbezirke Mitte und Prenzlauer Berg, sondern um eine Huldigung des ersten Präsidenten der Republik China: Dr. Sun Yatsen. Für die Orientierung ist das natürlich unerheblich, aber ein wenig fragt man sich schon, was Sun Yatsen mit Zhongshan zu tun haben soll.

Und da wird´s dann kompliziert. Vom Klang her besteht offensichtlich kein Zusammenhang. Inhaltlich auch nicht. Denn zwar ist Yatsen die kantonesische Aussprache von zwei chinesischen Zeichen, aber nicht die von Zhongshan 中山, sondern die von Yixian 逸仙. Und so taucht man unverhofft in die wunderbare Fülle chinesischer Namensgebung ein. Herr Dr. Sun hatte davon selbstverständlich etliche.

Zunächst wurde das Kind aus der Familie Sun Wen 文 genannt, ein Begriff der sich auf zivile Kultur insgesamt, und auf Schriftkultur insbesondere bezieht. Außerdem hatte er einen Generationennamen, was sehr hilfreich sein kann, wenn man sich in einem chinesischen Clan zurecht finden muss. Also wer wem Respekt zu zollen hat, wer -obwohl vielleicht Jahrzehnte jünger- zur älteren Generation gehört. Es bekommen alle Abkömmlinge einer Generation die gleiche erste Silbe in den Namen. Beim kleinen Wen war das De. Und dazu kam ganz für ihn persönlich die zweite Silbe Ming. 德明. Tugendhelle.

Für den internen Kernfamiliengebrauch hatte er während seiner Kindheit auch noch einen sogenannten Milchnamen. Da hieß er Dixiang. 帝象. Salopp übersetzt göttlicher Elefant. Tatsächlich bezieht sich die erste Silbe auf einen ganz bestimmten Gott, und zwar auf den daoistischen Xuanwudi, den dunklen Krieger. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Für das Erwachsenwerden mit etwa 20 Jahren braucht es dann wieder einen anderen Namen, den Großjährigkeitsnamen, im Falle des göttlichen Elefanten war das Zaizhi. 載之. Das könnte „Überlieferer“ oder „der alles aufschreibt“ bedeuten. Protokollführer gewissermaßen. Etwas später wurde dieser Protokollführer christlich getauft und es ist unmitelbar einleuchtend, dass dafür ein eigener Name fällig wird.  Und der lautete Rixin. 日新. Tägliche Erneuerung. Während seines Studiums in Hongkong bekam er dann den Pinselnamen (das kommt unserem Pseudonym am nächsten) Yixian, 逸仙. Das lässt sich unter anderem mit „müßiger Unsterblicher“ übersetzen. Und damit wären wir immerhin schon mal bei dem bei uns bekannten Yatsen angekommen, wenn auch noch nicht bei Zhongshan.

Aber so müßig und weltvergessen war unser Dr. Sun gar nicht, sondern war ob seiner politischen Aktivitäten und der wenig liberalen Qingdynastie zwischendurch gezwungen, ins Exil zu gehen. Und zwar unter anderem nach Japan. Und da brauchte er ganz praktisch einen neuen Namen zur Verschleierung seiner Identität. Und der lautete Nakayama Sho. Auf Chinesisch Zhongshan Qiao. Warum er in China und Taiwan ausgerechnet unter seinem japanischen Untertauchalias bekannt geworden ist, weiß ich auch nicht. Sein Heimatbezirk, der ursprünglich Xiangshan, also Duftberg hieß, wurde sogar ihm zu Ehren in Zhongshan umbenannt. Insofern ist Zhongshan doch eine geografische Bezeichnung, die mit Mitteberg etwa so charakteristisch ist, wie ein Ort aus meiner Herkunftsgegend, der auf den schönen Namen Neuorthofen hört.

Und so schnell hat man sich dann auch im Quadrat verlaufen. Wenn nicht in der Stadt, dann doch im Thema. Denn eigentlich wollte ich etwas über eine historische Karte schreiben. Und dazu, wieso eigentlich so viele Straßen in China und in Taiwan nach Dr. Sun heißen, habe ich auch nichts gesagt. Je nun. Vielleicht ein andermal.

 

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Das Ziel ist das Ziel

olympiaklein

Die Sommerolympiade 2012 ist vorbei und die VR China hat sich mit der schönen Zahl von 88 Medaillen verabschiedet.

Achtundachtzig

Ich glaube, das ist auch der tiefere Grund, warum Hongkong als Sonderverwaltungszone extra an den Spielen teilnehmen musste. Denn die Bronzemedaille irgendeiner Radsportlerin aus Hongkong hätte dieses gelungene Ergebnis zunichte gemacht. Der gemeine Chinesen liebt die Doppelacht, da 8 in irgendeinem -vermutlich dem kantonesischen- Dialekt auf Reichtum hinweist. Und doppelter Reichtum ist natürlich noch besser, oder sogar ∞, unendlicher, wenn man es aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Der gemeine chinesische Chatter oder Twitterer hält sich mit so schnödem Mammon allerdings gar nicht auf, denn wenn der 88 in die Tasten tippt, dann sagt er mit fast Wienerischem Schmäh: baba, also byebye. (Mit 748 sagt er: fahr zur Hölle, aber davon vielleicht ein anderes Mal.)

Eine Abschlussmedaillenzahl von 88 ist insofern in  jeder Hinsicht perfekt.

Mit der 88 hat es der Chinese mal wieder gut. Denn hierzulande steht die Zahl doch leider vor allem für „Heil Hitler“. Passend dazu habe ich in einem Reiseführer den ein Taiwaner über Berlin geschrieben hat, mal das Kapitel „Ehre und Ruinen“ über das Berliner Olympiastadion nachgelesen. Der Autor, Chen Sihong, den ich unter dem Namen Kevin kenne, beginnt die Liebeserklärung an Berlin -wie es sich gehört- etwas sperrig und schwer verdaulich. Die Nazi-Olympiade von 1936 schmiegt sich zwischen die Kapitel KZ und Wannsee, inklusive Konferenz.

Sommerliches Intermezzo

Um dem ganzen zwischendurch eine etwas leichtere Note zu geben, kann ich vielleicht berichten, dass wir an einem der eher raren Sommersonntage dieses Jahr mit einer chinesischen Familie im Strandbad Wannsee waren. Großartig. Man steht lange an, bis man endlich rein darf, wird von der Kassenfrau und vom Bademeister jeweils mit gegensätzlichem Inhalt zusammengeschissen und sucht dann ein kleines Fleckchen für´s Handtuch im Gewühl. Kaum ist man eine weitere halbe Stunde durchs knöcheltiefe Wasser gewatet, kann man auch schon schwimmen. Es ist eine Zeitreise ins alte West-Berlin. Toll, einfach toll. Wobei ich zugeben muss, dass mit kleinen Kindern dieses endlose, nordseeebbehafte Flachwassergedümpel tatsächlich fein ist.

Laut und Inhalt

Aber zurück zum Thema Olympia und 1936. Beim Lesen des Reiseführers habe ich zum ersten Mal gesehen, wie man Nazi auf Chinesisch schreibt. Und zwar: Nacui. Übersetzt man das nun wörtlich, hat man gleich die Zutaten für des Teufels Küche, denn es könnte heißen: „das Reine akzeptieren“. Eigentlich handelt es sich aber um eine phonetische Lösung. Da es einen stark aspirierten Laut in Verbindung mit i auf Chinesisch nicht gibt, wird also der Umweg über das U genommen. Nacui, gesprochen Na-tzuei.

Beim Lernen von Zeichen und Vokabeln nützt natürlich die Bedeutung -Teufel hin, Küche her- ungemein. Nur mit Interpretationen sollte man doch vorsichtig sein. Stasi wird beispielsweise mit Shitaxi übertragen, was wirklich ähnlich klingt, auch wenn es nicht so aussieht. In wörtlicher Übersetzung heißt Shitaxi: Geschichtspagode West. Menschen mit einem ausgesprochenen Hang zu Verschwörungstheorien sollten vielleicht besser die Finger vom Chinesischen lassen.

1936

Kevin, der Autor, erzählt also vom möglichen Boykott der Spiele , insbesondere wegen der damals schon in Kraft getretenen Nürnberger Rassegesetze. Dass die Boykottüberlegungen sich auch darauf bezogen haben sollen, dass die innerstädtischen Sinti und Roma (auf Chinesisch: Jipusai „Wettkampf der Allgemeinenbeglücker“ = Gipsy) in Marzahn interniert wurden, halte ich demgegenüber für ein freundliches Gerücht. Bisher gehörte zu sämtlichen Olymischen Spielen auch immer die unerfreuliche Nachricht, dass Bettler oder andere unerwünschte Personen irgendwie für die Dauer der Spiele aus der Innenstadt weggeräumt wurden, auch wenn sich die Methoden sicherlich hier und dort unterschieden. Dass sich die USA für die Rechte der Jipusai stark gemacht haben sollen, naja.

So oder so setzte sich die Boykottfraktion bekanntermaßen nicht durch, sondern die anderen verschoben die Abstimmung darüber so lange, bis genug Befürworter da waren. Und schlossen anschließend den heftigsten Boykottbefürworter aus. Insgesamt wollte man doch lieber glauben, dass auch Hitler die olympische Idee für eine gute hielt. Er hatte ja auch sonst so schöne Ideen, wie beispielweise den Fackellauf, der seither durchgeführt wird. Das bringt auch schöne Bilder. Vermutlich würde Hitler heute noch gut ins IOC passen, zumindest mit dem Faschisten Samaranch hätte er sich sicher gut verstanden.

Natürlich erwähnt Kevin Chen auch Frau Riefenstahl und ihre schwierig zu rezipierende Figur als unkritische Nazisse und bahnbrechende Filmemacherin.  Auch sie machte unbestritten schöne und auch neuartige Bilder. Das will man nicht. Getan hat sie es trotzdem.

Dann erzählt Kevin Chen, wie er sich bei seinem ersten Besuch des Olympiastadions anlässlich eines Konzerts von Pink fragte, ob denn alle Besucher eine Vorstellung von dessen Geschichte haben. Ich sage einfach mal: ja. Das ganze Stadion ist derart naziesk und die herausgemeißelten Hakenkreuze so präsent abwesend, dass man schon extrem vernagelt sein muss, um nicht wenigstens den Hauch einer geschichtlichen Ahnung zu verspüren. Vielleicht ist es gut, dass er dort niemanden gefragt hat, denn so kann ich das einfach weiterhin glauben.

Dabei sein ist alles

Die Republik China nahm 1936 übrigens mit 54 Athleten an den Spielen teil, reiste aber ohne eine einzige Medaille wieder ab. 2012 durfte sie wie gewohnt nicht unter dieser Bezeichnung an den Start gehen. Eine Art Fremdboykott. Denn schließlich nahm die Volksrepublik China teil. Die gab es 1936 ja noch gar nicht, so dass da kein Problem auftrat. Doch seit 1949 ist das anders. Und es mag zwar heute die Ein-Kind-Politik in der VR China wanken, doch die Ein-China-Politik bleibt bis auf weiteres in Stein gemeißelt. Also gab es wieder einen Auftritt der Republik China, vulgo Taiwan unter dem Pseudonym Chinesisch Taipeh.

Als was auch sonst? Als Japanisch Taipeh? Oder Burkinafasolisch Taipeh? Der Witz besteht darin, dass der Name auf dem Festland mit den Zeichen für China-Taipeh geschrieben wird, während Taiwan Zeichen benutzt, die sich nur auf die Kultur beziehen. Die Republik China turnte also notgedrungen und erprobt unter falscher Flagge und errang heuer immerhin mit 44 Athleten und Athletinnen zwei Medaillen (Silber für eine Gewichtheberin und Bronze für eine Taekwondo-Kämpferin). Ob diese beiden Olympionikinnen tatsächlich aus Taipeh kommen und nicht vielleicht aus „Chinesisch“ Gaoxiong oder Tainan, habe ich nicht weiter verfolgt. Ich stamme zum Beispiel aus Bayerisch Gräfelfing und habe keinerlei Medaillenaussichten, auch nicht in der denkbaren Mannschaft Deutsch Berlin. Oder gar Preußisch Berlin.

Zahlenexegese

Amerikanisch Washington trat im Übrigen mit 539 SportlerInnen an, erzielte also eine Medailleneffizienz von 0,19 pro TeilnehmerIn. Chinesisch Peking dagegen schaffte mit 382 AthletInnen ganze 0,23 Medaillen pro Hüpfdohle und Kampfgerät. Russisch Moskau brachte es auch auf einen Effizienzquotienten von etwa 0,19, Britisch London, Koreanisch Seoul und eben Deutsch Berlin liegen so bei 0,11/12. Damit zeigen uns Afghanistan (1 Medaille durch 5 Sportler und eine Sportlerin-> 0,17) und Aserbaidschan (10/53 -> 0,19)  deutlich, was wirklich effektive Olympiateilnahme auch bei knappen Ressourcen bedeuten könnte. Und Jamaika, das mit 50 TeilnehmerInnen ganze 12 Medaillen holte, liegt in Sachen Effizienz mit 0,24 noch vor der VR China. So weit die Statistik.

0,11 also. Aber ich will nicht meckern. Es gibt gar keinen Grund. Deutsch Berlin hat 44 Medaillen geholt. Der Chinese denkt bei der Zahl 4 an Tod und Sterben. Aber nicht wir. Wir denken an vier Jahreszeiten und vier Himmelsrichtungen, einen fröhlichen Vierviertel-Takt. Jetzt lese ich gerade, dass die vier das Kreuz mit seinen vier Enden symbolisiert. Also doch schon wieder Tod. Hm. Dann zählen wir doch einfach durch unser kleines Alphabet und landen bei D. DD. Doppel-D. Das kann viel heißen. Dummdödel. Dresden. Oder Differenzialdiagnose.  Dolby Digital. Doris Day. Donald Duck. Domino Day. Doppeldominante. Direkte Demokratie. Deutsch Drahthaar. Danke Dir. Oder das Topleveldomainkürzel der DDR, das nur drei Jahre leben durfte: .dd. Mit der 44 ist wirklich alles möglich!

88 möchte ich nicht schreiben, also: servus, baba!

Der Wald vor lauter Bäumen

wald

Als ich neulich in Hongkong… (Hach. Wie das klingt!). Als ich also neulich in Hongkong ankam, saßen überall wahnsinnig viele Frauen herum.  Jung bis mittelalt. Aber eher jung. Vor allem jung. Auf Bürgersteigen, Fußgängerüberwegen, in Parks, unter Rolltreppen, in Tunnels. Zu Tausenden. Auf Decken, Kartons oder nur auf dem Hosenboden. Die Innenstadt war voll von ihnen. Sie verkauften nichts, insbesondere nicht sich selbst, sie wollten augenscheinlich nichts von mir oder anderen Passanten, sondern quatschten, lachten, aßen und manche tanzten auch. Was machten die da? Und warum gerade da? Also in einem Park, ok, aber in einem Fußgängertunnel? Auf einer Fußgängerbrücke? Am Straßenrand? Warum eigentlich nur Frauen?

Ein innerlicher Schritt zurück kann hilfreich sein, das ist bekannt. Sonst kommt das Problem mit dem Wald und den Bäumen. Ich nahm also von meinem verständnislosen Kopfschütteln und Gewundere ein wenig Abstand. Probehalber. Und siehe, ich wurde mit der Erweiterung meiner Wahrnehmung prompt belohnt. Denn genau genommen sahen die zweifellos asiatischen Damen nicht sonderlich chinesisch aus und: es war Sonntag.

Schon entstand der Wald vor meinen Augen und das Phänomen fand eine Erklärung: an ihrem freien Tag treffen sich die philippinischen und malaiischen Hausangestellten zum Stelldichein. Davon gibt es offensichtlich eine erkleckliche Anzahl. Pack das Pappkartönche ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nischt wie raus zum, tja, zum Trottoir. Ein Badesee ist schließlich nicht in Sicht. Und, wenn ich das jetzt mal pauschal über den Löffel balbieren darf, macht sich die durchschnittliche Ostasiatin auch nicht so wahnsinnig viel aus Badeseen. Nachhause können sie sich gegenseitig auch schlecht einladen, denn das ist ja eigentlich das Zuhause ihrer Arbeitgeber. Wenn die guten Plätze im Park schon belegt sind, dann setzt man sich eben auch in eine Unterführung. Das Paradies, das sind die anderen. Kulisse nebensächlich.

Ob diese zahllosen Ausländerinnen wohl -ganz im Gegensatz zu mir- Kantonesisch verstehen? Wenn ich mit Hongkongern spreche, verstehen diese mein Hochchinesisch ganz gut. Und antworten entsprechend. Zumindest den ersten Halbsatz. Ab dann verlieren sie sich sehr schnell im Kantonesischen, spätestens beim zweiten Satz verstehe ich gar nichts mehr. Ich höre dann so etwas wie: nei gwon sik sik gwok. naam suk wak. Ein Beispiel zum Vergleich: Fragt ein Pekinese den anderen, ob er jetzt Zeit hat, sagt er:

Ni xianzai you mei you kong?

In Hongkong sagt man stattdessen:

néih yìh ga dak mh dak hàahn a ?

Wie so Vogellaute im Wald.  Der Kleiber sagt beispielsweise: piüpiü twit güt vivivi sittsitt. Sprachen die man nicht versteht klingen einfach amüsant.

Dazu kommt ein ausufernder Gebrauch von Tonhöhen dieser südchinesischen Sprache. Vier bis fünf kennt der Pekinese, der Hongkonese neun. Davon sind drei nicht distinktiv, sagt Wikipedia. Ich glaube, das ist eine gute Nachricht. Dazu kommen drei bis vier hongkongeigene Umschriftsysteme für die lateinische Schrift. Wunderbar. Für das Chinesische haben sich ja auch alle eine ausgedacht: die Engländer, die Franzosen, die Amerikaner, die Deutschen, die Russen etc.pp.

Wenn man aber irgendwann verinnerlicht hat, dass beispielsweise der Laut eu mit eu, oe, ê oder o´ geschrieben werden kann (Kantonesisch), oder dass  jing, ching und king identisch sein sollen (Mandarin), wird man allmählich flexibler im Kopf und macht sich auch über Rechtschreibreformen der eigenen Herkunftssprache insgesamt wirklich weniger Sorgen. Selbst der völlig sinnlose Gebrauch eines Apostroph-S´ lässt sich nach einem Sinolgiestudium besser aushalten.

Mein Rechtschreibprogramm macht mir trotzdem Sorgen. Denn neulich (noch neulicher als Hongkong) schrieb ich das Wort Sichentblößen in den Computer. Die Fehlerzensur war durchaus nicht einverstanden. In der Regel lässt mich das kalt. Wörter die es nicht gibt, müssen eben erfunden werden. Und was ist schon gegen eine echte, gutdeutsche Substantivierung einzuwenden? Doch ich war weich und offen, an diesem neulichen Tag. Hey, ja, mach einen Vorschlag, warum nicht?, dachte ich und sah nach, was die Rechtschreibfunktion mir zu sagen hatte. Sie überraschte mich mit: Siechentblöden.

Ich war konsterniert. Was bitte sollte das heißen? Dass man sich nicht entblödet zu siechen? Oder dass Siechen zur Entblödung führt? Macht das Ergebnis des Siechens, also der Tod, einen demnach schlau? Oder nur weniger blöd? Und was hat das ganze mit sich ausziehen zu tun? So à la das letzte Hemd hat keine Taschen? Will mir mein Computer metaphysische Wahrheiten übermitteln? Ich weiß wirklich nicht, ob ich mir den zwecks Baumbestand übersehenen Wald  von meinem Rechtschreibprogramm ausdeutschen lassen möchte.

Dass Deutsch voller Überraschungen steckt, erfuhr ich (noch mal neulicher) von einem Chinesen, der gerade erst begonnen hatte diese unsere Sprache zu lernen. Deutsch sei sexy, meinte er. Sexy. Ok. Wenn er meint. Hört man ja nicht ungern. Ist offenbar auch etwas was man nicht so wahrnimmt, wenn man mitten unter den deutschen Baumwörtern wohnt. Den Sexappeal der eigenen Sprache. Ich fragte natürlich nach.

Auf Platz drei der sexy deutschen Wörter kam das Wort: „ja“. Ich vermute mal, dieser besondere Reiz des Wortes wird sich früher oder später abnutzen. Häufige Wiederholung und Gewohnheit sind der Tod jeder Sexyness.

Längere Aussichten hat da vielleicht auf Platz zwei das Wort: „futsch.“ Ein wirklich bemerkenswert hübsches Wort, wenn auch vielleicht kein echtes Deutsch im engeren Dudensinne. Dachte ich zumindest.  Aber mein Rechtschreibprogramm -ich teste es immer mal wieder- stimmte dem Chinesen einschränkungslos zu. Keine Unterringelung, kein Alternativvorschlag. Futsch ist bestes, sozusagen astreines Deutsch. Und das ethymologische Wörterbuch unterstützt ihn zusätzlich: es hält eine Herleitung von foutre, beschlafen, für möglich. Sexy eben.

Der erste Platz der sexiest german words alive ging jedoch an: „blöd“. Hm. Ich finde, es geht so. Sympathisch, lustig, meinetwegen frech, ja, aber sexy? Ich bin voreingenommen.

Andere deutsche Worte haben allerdings keine Chance in diesem Ranking auch nur den allerkleinsten chinesischen Blumentopf zu gewinnen. Denn sagt ein Deutscher zum Chinesen  „Schatz“ (gibt es eigentlich wirklich Menschen, die sich gegenseitig Schatz nennen?), dann wird er Shazi verstehen: Dummkopf. Je nun. Der Ton macht die Musik. Ach du mein süßer Dummkopf! Geliebtes Trottelchen!

Aber wenn der Deutsche dann zum Chinesen sagt: „tschüss, Schatz!“, dann wird es arg. Da nützt die schönste Melodie nichts mehr. Denn dann hat er gesagt: qu si, shazi! Und das heißt:

Dummkopf, geh sterben!

 

Mauerstädte mit und ohne Mauer

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Als Hongkong noch keine glitzernde Metropole war, war es nicht nur keine glitzernde Metropole, sondern praktisch inexistent. Kaum ein Mensch wohnte in dieser malariaverseuchten Gegend am Perlflussdelta. Ein paar Fischer halt. Oder Piraten. Je nach Saison. Doch gab es in Kowloon eine Art Festung, einen chinesischen Militärposten, der später Walled City of Kowloon genannt werden sollte. Ein ummauertes Gelände von etwa 210m x 120m, mit einem Yamen, einem Verwaltungs- und Gerichtsgebäude in der Mitte.

1839 zettelte Großbritannien den ersten Opiumkrieg an und ließ sich 1842 dafür als Belohnung die Kowloon gegenüberliegende Insel Hongkong-Island überschreiben. Das Ganze nannte man euphemistisch die Nanjinger Verträge. China war die Entwicklung zurecht etwas  unheimlich und sie stockten die Mauer der ummauerten Stadt auf etwa 4 m auf.  Sicherheitshalber.

Das entspricht in etwa der Höhe der Berliner Mauer, nur dass die ja nicht von den eingemauerten West-Berlinern gebaut worden war, sondern von den Machthabern drumrum. Dafür hielt sie auch nur etwa 28 Jahre und nicht runde Hundert Jahre wie die der ummauerten Chinesenstadt. Das Unbehagen Chinas stellte sich 1860 als berechtigt heraus, denn dann verleibte sich England auch noch Kowloon in sein Commonwealth ein.

Ganz Hongkong ist von den Briten besetzt… Ganz Hongkong? Nein! Ein von unbeugsamen Chinesen bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Oder so ungefähr. Die ummauerte Stadt innerhalb Kowloons wurde zur Exklave. Die gehört uns, sagten die Chinesen. Die war vorher schon da. Unser Recht gilt, unser Abgabesystem und ihr hässlichen, stinkenden, helläugigen Dämonen, lasst gefälligst Eure dreckigen Finger davon. Die Briten bewahrten Contenance, legten sich diesbezüglich nicht wirklich fest, sahen das mal so mal so. Wobei sie wortlos Wert auf die Feststellung legten, dass dreckige Finger selbstverständlich nur die Chinesen hatten.

Richtig klare, offizielle Verhältnisse herrschten in dem ummauerten Stadtteil nur selten, es gab schließlich immer so viel anderes zu tun. Inmitten von Kriegen, Bürgerkriegen und Weltkriegen war das Gelände von popligen 2,5 Hektar zwar prestigeträchtig, aber irgendwie auch nebensächlich. Wen interessierten schon wirklich die paar Hansele auf den paar Quadratmetern?

In Berlin hatten wir so etwas natürlich auch. Klar. Damit meine ich aber nicht die Mauer als solche und damit West-Berlin insgesamt, sondern das sogenannte Lenné-Dreieck in der Nähe des Potsdamer Platzes, das zur Zeit der deutschen Zweistaatenlösung der DDR gehörte. Die Mauerbauer wollten sich offenbar diese durch eine Bezirksreform 1938 entstandene, sinnlose, zum Bezirk Mitte gehörende Zacke sparen und kürzten den Verlauf der Mauer ab. Darum herum zu bauen, wäre bei nüchterner Betrachtung auch völlig unsinnig gewesen. Nüchterne Betrachtung war damals allerdings nicht sonderlich en vogue, so dass diese pragmatische Lösung verblüfft. Es war also eine unsichtbare Exklave entstanden, die im Gegensatz zur ummauerten Stadt in Kowloon nur auf einer Seite eine Mauer hatte.

Auch über Südchina brach der zweite Weltkrieg herein, im Vergleich zu dem die Opiumkriege nur Sonntagsspaziergänge gewesen waren. Die Japaner trugen den Krieg auch nach Hongkong. Für knapp vier Jahre ruhte der Streit zwischen England und China. Hongkong war japanisch besetzt. Und wie der Japaner nun mal so ist, dachte er, carpe diem, und riss die vor etwa 100 Jahren aufgestockte Mauer der Chinesenstadt ab, um die Steine für den Ausbau einer weiteren Landebahn des nahegelegenen Flughafens Kaitak zu benutzen.

1945 war der Spuk vorbei und Hongkong wurde skandalöserweise wieder britisch. War das extrem malträtierte China nicht auch ein Siegerland? Die Westmächte juckte das wenig und so glitt auch das alte Fort -nun seiner schützenden Hülle beraubt- in seinen unklaren Zustand zurück. Die Fluchtbewegungen nach hier und da und dort bewirkten, dass auf dem Gelände der einst ummauerten Stadt 1947 schon etwa 2000 Chinesen lebten. Ungefähr 10mal soviel wie jemals vorher.

Der folgende chinesische Bürgerkrieg, die Machtübernahme der KP China und der letztlich rechtsfreie Raum taten ihr Übriges. Es wurde voll. Und voller. Und noch voller. Das Gelände wurde bebaut. Überbaut. Man stockte an, auf und um. Der Wohnblock? das Viertel? die Stadt? wucherte. Nach außen ging jedoch nicht. Die Grenzen waren auch ohne Mauer nicht verhandelbar. Freiheit von GB und der VR China bot nur das Gebiet, dessen vollständige Umrundung etwa eine halbe Stunde dauerte. Nach oben konnte auch nur bedingt ausgewichen werden, da sich die ummauerte Stadt in der Einflugschneise des von den Japanern ausgebauten Flughafens Kaitak befand. Mehr als 14 Stockwerke waren nicht drin. Die Stadt wuchs also nach innen. Die Straßen wurden immer enger und enger und schließlich völlig überbaut, so dass sie nur noch Tunnels waren. Sie wuchs aus sich selbst heraus, implodierte und wucherte nach innen.

Auf dem Berliner Lenné-Dreieck passierte zunächst gar nichts. Anstatt dass sich ab 1961 dort tausende von Illegalen, Anarchos oder Chinesen ansiedelten, dümpelte dieser rechtsfreie Raum knapp 27 Jahre unerkannt vor sich hin. Nur 161 verschiedene Pflanzenarten nutzten die Gunst der Stunde und sicherten sich dort ein Plätzchen. Erst als genau dort eine sechsspurige Westtangente gebaut werden sollte, wurde überhaupt Notiz vom speziellen Potenzial dieser kostbaren Immobilie genommen. Der Westen wollte deshalb dem Osten 1988 das Dreieck abkaufen und der Osten ließ sich nicht lumpen, sagte ok und ließ sich das vergolden. Bereits im Juli 1988 sollte die Übergabe stattfinden. Die Zeit wurde also knapp. Auf den allerletzten Drücker wurde das Gelände im Mai 1988 besetzt. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und war natürlich auch dabei. Zugegeben, es war alles ein bisschen kleiner und auch weniger spektakulär, als in Kowloon. Erheblich kürzer und mit viel weniger Leuten. Aber hey, was zählt, ist die Idee.

In dem Bienenstock der ummauerten Stadt von Kowloon waren die rund 350 Gebäude so aneinander und umeinander gebaut, dass man über die Dächer und Verbindungsgänge auf verschiedenen Stockwerken vorankommen konnte. Dabei war es feucht, Wasser lief überall die Wände hinunter. Wie zum Hohn hatten die meisten 10-20m² großen Wohnungen in der Regel keinen eigenen Wasseranschluss. Mit Eimern und Kanistern musste man durch das Gewirr zu einer der sechs Wasserstellen. Logische Folge der Bauweise war, dass wirklich nur die, die in einer der alleräußersten Wohnungen lebten, überhaupt Tageslicht hatten. Der Rest lebte in Dunkelheit, bzw in künstlichem Licht, das durch außerhalb angezapften Strom erzeugt wurde. Nur in der Mitte blieb das alte Yamen, das einstöckige Verwaltungsgebäude erhalten, so dass der Bienenstock in der Mitte eine Art Loch hatte. Angeblich erhielt das Stadtviertel damals einen neuen Namen: Haknam, die dunkle Stadt.

In Berlin wurde in den verbleibenden fünf Wochen natürlich kein Bienenstock, sondern bestenfalls ein Taubenschlag aufgebaut. Die Probleme von Zu- und Abwasser gab es auch, nur in wesentlich kleinerem Ausmaß. Dafür war kein Mangel an Licht und Luft.  Die dunkle Stadt hatte nur eine offene Kanalisation, auf dem Lenné-Dreieck gab es gar keine. Und man glaubt nicht, was ein paar Hundert Leute in ein paar Wochen für eine Menge Scheiß verzapfen können. Von Zigtausend möchte ich mir das gar nicht vorstellen!

In Hongkong traute sich die Polizei seit den 60er Jahren nicht mehr auf das Gelände, in Berlin durfte die West-Berliner Polizei nicht, darauf achtete die Grenzpolizei auf der anderen Seite der Mauer sehr genau. Auch als der Wasserwerfereinsatz und der Beschuss mit Tränengas überhand nahm, beschwerte sich die DDR. Den Zaun, den die Westpolizei außerhalb des Grenzverlaufs drumrum aufstellte, konnten sie aber schlecht verbieten. Das hätte auch etwas peinlich gewirkt, sich über die Mauer hinweg über den Zaun zu beklagen.

Beim Vergleich kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Leute der dunklen Stadt aus ihrer Zeit im rechtsfreien Raum doch irgendwie mehr gemacht haben. Zum Beispiel 80% aller damals in Hongkong verkauften Fischbällchen. Und Fischbällchen sind eine Spezialität in Hongkong. Auch andere Produkte wurden dort so billig hergestellt wie nirgends sonst. Eine Fabrik für Plastikformen mit 7 Arbeitern, produzierte beispielsweise auf einer Fläche von bloßen 20 m². So leisteten die illegalen, steuerfreien Kleinstunternehmer in der ewigen Dunkelheit der ummauerten Stadt einen nicht unerheblichen Beitrag für das Wirtschaftswunder Honkong. Allerdings waren die Arbeitsbedingungen auch äußerst unerfreulich: 12 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche waren normal. Irgendwie musste man ja das Schutzgeld an die Triaden bezahlen. Und die Miete. Dafür wurden keine Steuern fällig.

Die Arbeitszeit der Berliner Besetzer war allerdings noch schlimmer. Da auch das Private politisch war, kam man auf eine Arbeitszeit von exakt 24 Stunden am Tag. Allerdings bestand die eher in Form von Diskussionen, Plena, Wache schieben, Kochen, Pressemitteilungen verfassen, Plumpsklos ausheben, Spülen, politisch bewusst schlafen und sich mit der Polizei rumstreiten. Ein Wirtschaftswunder lässt sich damit natürlich nicht anzetteln. Immerhin zog das besetzte Dreieck aber Touristen an, die sich auf den Aussichtsplattformen, die eigentlich einen Blick und fröhliches Winken nach Ost-Berlin ermöglichen sollten, mit den Verfassungsschützern und Polizei um die besten Fotos drängelten.

Ende der 80er Jahre wohnten in der dunklen Stadt in Hongkong etwa 33.000 Menschen auf 0,025km², was einer Dichte von 1,3 Mio E/km² entspricht. Das ist ein ungeschlagener Rekord. So kommt New York City auf lächerliche 10.300 E/km², Friedrichshain/Kreuzberg immerhin auf 12.700 E/km² und Kairo auch nur auf 37.000 E/km². Ernsthafte Konkurrenz macht sich nur Hongkong selbst. Im Stadtteil Mongkok wohnen heute 130.000 Menschen auf 1 km². Na, Konkurrenz ist vielleicht übertrieben. Dieser heute dichtbesiedelste Ort der Welt, hält 10Mal soviel Platz pro Mensch bereit, wie weiland die ummauerte Stadt von Kowloon.

Das besetzte Lenné-Dreieck war etwa 4 ha groß und wenn man von 200 festen Bewohnern ausgeht, kommt man immerhin auch auf erstaunliche 5.000 Einwohner pro km². Am ersten Juli 1988 war auch damit Schluss, denn nun gehörte das Grundstück zur BRD. Die Polizei räumte und 180 Besetzer flohen über die Mauer in den Osten. Dort wurden sie schon mit LKWs erwartet. Es gab Frühstück und eine Befragung, dann wurden sie zu den Grenzübergängen gebracht.

Auch die dunkle Stadt fand schließlich ihr Ende. Nach zahllosen Razzien einerseits und Entschädigungszahlungen an die Bewohner andererseits, wurde die dunkle Stadt 1993 geräumt und abgerissen. Nur das Yamen, das wie ein Wunder alles überstand, wurde saniert und zum Zentrum des neu angelegten Parks. Heute ist der Park „Kowloon Walled City“ wieder von einer moderaten Mauer umgeben.

Und auf dem Lenné-Dreieck steht das Beisheim-Center.

An apple a day

Apfel

In Hongkong und Taiwan gibt es eine Zeitung namens Pinguo Ribao, Apple daily. Ribao heißt dabei nicht „täglich“, sondern Tageszeitung. Daily also als Erscheinungs-, nicht als Vertilgungsfrequenz. Äpfel haben keine wirklich signifikante Symbolik in China. Angeblich gibt es nicht mal gute Äpfel aus China, sondern nur aus Japan oder Korea. Äpfel sind einfach ein Obst. Immerhin ist Apfel (Pingguo) gleichlautend mit Land des Friedens (Pingguo). Aber gegen diese Assoziation spricht, dass Apple daily investigativ und skandalorientiert ist. Gerade Apple Daily Hongkong stöbert und stichelt und stochert ohne Unterlass gegen Festlandchina.

Ein Apfel täglich soll Ärzte fern halten, sagt ein englisches Sprichwort. Soll nun mit dem Zeitungsnamen auf diese Gesundheitsassoziation angespielt werden, oder auf den vergifteten Schneewittchenapfel? Auch der hat immerhin einen Arztbesuch überflüssig gemacht. Der Sündenfall mit Apfel und Schlange und allem drumunddran wiederum machte Ärzte überhaupt erst nötig, aber auch möglich. Die Gedankenpfade laufen so aber doch zu sehr gen Westen. Kurz:  ich habe keine Ahnung, warum die Zeitung so heißt.

Die taiwanische Apfeltageszeitung hat für ihren Onlineauftritt nun ein ganz neues Format entdeckt. Es ist ja so, dass ärgerlicherweise nicht immer eine Kamera vor Ort und aufnahmebereit ist, wenn etwas Interessantes passiert. Soviele Paparazzi, zufällige Handyfilmer und Googleautos gibt es gar nicht. Man mag es kaum glauben, aber es ist so. Also werden Nachrichten nunmehr optisch digital nachgestellt. Ein paar -ansonsten womöglich arbeitslose- Schauspieler werden mit Sensoren ausgestattet, schlagen und treten sich, werden von Trümmern erschlagen oder saufen ab, spielen eine Schlägerei, einen Mord oder auch ein Erdbeben auf Haiti nach. Umgebung und Personen werden dann digital ausformuliert und alle Zuschauer können sehen, wie es war. Das ist natürlich nobel gedacht.

Wahrscheinlich erhöht es sogar die Spendenbereitschaft, wenn man zuvor gesehen hat, wie eine computeranimierte Figur in einem eingestürzten Haus verschüttet wird. Obwohl es dabei natürlich auch auf so Details ankommt, ob beispielsweise ein ertrinkendes Kind oder ein ertrinkender Taliban, der gerade vom Nasenabschneiden kommt, gezeigt wird. Das Tendenziöse ist bei Echtfilm natürlich genauso gegeben, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass es immerhin irgendwo wirklich ein ertrinkendes Kind oder einen ertrinkenden, zuvor nasenabschneidenden Taliban zu filmen gab. Oder in letzterem Fall zumindest einen ertrinkenden fies aussehenden Mann mit Turban und Bart.  Apple Daily Taiwan zeigt darüberhinaus nun auch das, was außer den Beteiligten niemand gesehen hat. Beispielsweise eine Messerstecherei. Wie es dazu kam, die Schuldigen und die Unschuldigen und die Grauzonen dazwischen. Das ganze hat nur einen kleinen Schönheitsfehler, weil zumindest die, die das herstellen genausowenig wie alle anderen wissen, wie es war.

Aber der Apple-Daily-online-Konsument hat es nicht nur schwarzaufweiß gelesen, sondern quasi mit eigenen Augen gesehen. Ausgerechnet mit den leichtgläubigen Augen. Sich hinterher ein neues Bild zu machen, das alte zu überschreiben, ist so einfach nicht. Da ist das Hirn nicht viel anders als ein alter Monitor, auf dem sich Bilder auch noch in die Netzhaut einfraßen.

Ob dem ungläubigen Thomas das Sehen von Jesu post mortem zum Glauben genügte, oder ob er klug und widerspenstig genug war, seine Finger wirklich in die Wunden zu legen und zu fühlen, wie er es ursprünglich wollte, wird in der Bibel bezeichnenderweise nicht beantwortet. Der Skeptiker wurde ja schon gedisst, weil er sehen wollte, bevor er glaubte. Kann sein, ein Erspüren war ihm dann zu widerspenstig.

Auch in Deutschland gäbe es bestimmt Kunden für diesen speziellen Nachrichtendienst. Lassen wir jetzt mal den Fall Kachelmann außen vor, der sich auch für Apple daily aus Gründen des Jugendschutzes oder der allgemeinen Sexualmoral nicht zur Nachstellung anbieten würde, sondern verfolgen gespannt und in 3D das erdrückende Szenario von Duisburg. In Farbe und allen Details. So wie diese sonderbaren, aber offenbar sehr beliebten nachgespielten „Dokumentarfilme“ über Kelten, Pyramidenbau oder den Mann vom Hauslabjoch, kurz Ötzi. Nur viel schneller hinrecherchiert und veröffentlicht. Es muss ja aktuell sein. Daily verpflichtet.

Dann wüssten wir längst, welcher Polizeibeamte schuldig ist, welcher Sanitäter ein Held, welcher Teilnehmer ein kompletter Idiot. Wir wüssten Bescheid über die Tragödien einzelner Geretteter und vor allem die der Nichtgeretteten, weil die hinterher nichts mehr sagen können. Für die Aufarbeitung der Verwaltungsvorgänge eignet sich das Format natürlich weniger, das ist optisch doch zu monoton. Aber das wesentliche hätten wir ja gesehen und müssten nicht darauf warten, bis die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit gemacht hat, oder darauf dass OB Sauerland ein Sätzchen wagt, oder dass sich Informationen durch Lecks schmuggeln. Warum das alles passiert ist und wie, das wüssten wir längst. Ha, alter Hut! Toll ist das. Man hätte eine total fundierte Meinung als praktisch Dabeigewesener. Augenzeuge Hilfsausdruck.

Man kann das Hinundherspiegeln von Realität und Idee natürlich auch andersrum aufziehen. Der Film Avatar brach in China alle möglichen Rekorde. Er spielte in der ersten Woche 30 Millionen Euro ein und das bei einer Anzahl von nur 4.600 Kinos in ganz China. (In Deutschland gibt es für ein grobes Zwanzigstel an Bevölkerung immerhin rund 1.800Kinos). Schließlich bekam dieser optisch sensationelle und inhaltlich etwas tumbe Film die Ehre eines zeitweiligen Verbots, bzw eine Beschränkung auf die 700 3D-Kinos im ganzen Land. Die teuren 3D-Kinos waren auf Wochen und Monate ausgebucht. Apple Daily Hongkong berichtete dazu, dass die Propagandabehörden Avatar vorzeitig auslaufen lassen wollten, „weil er die Besucher an Zwangsumsiedlungen denken lässt und möglicherweise Gewalt auslösen könnte“.

Das Verbot kam tatsächlich nicht so gut an und hielt auch nicht sehr lange. Gleichzeitig wurden andere Geschäftszweige entdeckt. Denn die schwebenden Berge von Pandora wurden nach dem Huangshan, dem Gelben Gebirge in China gestaltet. Oder nach den Bergen in Zhangjiajie. Soll der Regisseur James Cameron gesagt haben. Jeweils. In Zhangjiajie wurden mittlerweile ein paar Berge avatargemäß umbenannt, während man im Huangshan noch nicht über so altbackene, voravatarische Bezeichnungen wie den Handyfelsen herausgekommen ist. Doch sonst geben sich beide Gegenden nichts bei der Werbung mit dem Animationsfilm. Man reist jetzt nicht mehr zu den fantastischen Naturformationen des Huangshan oder denen von Zhangjiajie um ihrer selbst willen, sondern um die Vorlage für die Filmberge von Pandora zu sehen. Das soll sehr gut laufen. Als würden die Berge dadurch toller. Mir als alter Bergziege passt das natürlich überhaupt nicht. Und mit Verlaub: das ist auch gar nicht möglich. Das was den Bergen am meisten schadet, ist nunmal die Anzahl der Besucher. Und ich stand vor Avatar im Huangshan schon mal mitten im Gebirge im Menschenstau.

In Taiwan ist ein Mann gestorben, nachdem er sich Avatar in 3D im Kino angesehen hatte. 42 Jahre war er und litt unter hohem Blutdruck. Auf dem Weg ins Krankenhaus wurde er bewusstlos und starb später an einer Gehirnblutung. Die Symptome sollen durch die übermäßige Aufregung im Kino ausgelöst worden sein. Über Todesfälle durch das Betrachten von Apple daily online ist noch nichts bekannt geworden. An apple a day keeps the doctor away, so ist es eben.

Ursprünglich kommt diese verwortete Idee übrigens aus Wales und da hieß es 1866: Eat an apple on going to bed, and you’ll keep the doctor from earning his bread. Vielleicht ist der Originaltext der Grund, warum es bei mir zu hause hieß, dass ein Apfel vor dem Schlafengehen Zähneputzen überflüssig macht. Dabei gehörten Zahnärzte ja lange nicht zu den Ärzten, sondern eher zu den Barbieren, Henkern und Scharlatanen. In Chinas Provinz  kann man sich auch heute noch auf lokalen Märkten den Zahnersatz an Marktständen aussuchen und sich unter Publikumsbeteiligung per Fußbohrer Karies entfernen lassen. Dann wünscht man sich wahrscheinlich auch weit weg auf die schwebenden Berge Pandoras.