Archiv für den Monat: Mai 2012

Ersatzbeitrag

deutschglagobearb

Diesen Monat gibt es mal wieder eher einen Muckefuckbeitrag, denn ich war im Urlaub. Erschwerend kommt hinzu, dass ich nicht in einem chinesischen Land, sondern in Bulgarien war. In Sofia wollte ich zwar ursprünglich eine Feldstudie im Chinalokal machen, aber irgendwie geriet dieser Plan in Vergessenheit und zumeist hampelten wir sowieso in der Pampa rum (oder besser Walachei?) und da gab es nicht nur keine Chinesen, sondern häufig überhaupt gar niemanden und wenn dann eben Bulgaren. Aber wer sind sie, diese Bulgaren?

Der Protobulgare, der ursprüngliche und echte Bulgare war mitnichten ein Slawe, sondern gehörte zu diesen Reitervölkern aus der Steppe. Skythen und so. Praktisch Mongolen.

Womöglich Chinesen?

Und mit dieser brachial bescheuerten Überleitung treibe ich nun die Sau durchs Dorf.

Ortseingang:

In Bulgarien gibt es neben der spektakulären und unglaublich vielseitigen Natur auch Kultur bis zum Überdruss. Kaum buddelt man ein Loch, stößt man auf archäologische Relikte. Thraker, Römer, Griechen, Türken, alle haben sie ihre Häusles und was man noch so braucht, dort gebaut.So wurde dort beispielsweise das älteste bearbeitete Gold Europas gefunden.

Neubausiedlung:

Auch sonst waren sie vorneweg: es gibt Wandmalereien, die in ihrem lebendigen, individuellen Ausdruck um etwa vierhundert Jahre die Renaissance vorwegnehmen und bereits im 9. Jahrhundert übersetzte der heilige Kyrill (mit bürgerlichem Namen Konstantin) die Bibel in die Landessprache, also knapp 600 Jahre vor Luther.

Dorfkern mit Kirche:

Das Kyrillisch hat Sveti Kyrill trotzdem nicht erfunden, sondern das Glagolitische, eine Schrift mit sehr vielen Kullern. Warum nun das Kyrillische nach ihm heißt, ist eines dieser mittelalterlichen Geheimnisse. Warum es nicht nach seinem Bruder Method heißt, ist demgegenüber leichter zu verstehen. Methodisch klingt als Schriftname eher sonderbar.

Friedhof:

Und wer ist nicht gleich alles Bulgare. Spartakus zum Beispiel. Also jedenfalls ist er im heutigen Bulgarien geboren. Und Orpheus stieg hier in den Hades, um seine Eurydike zu holen. Auch wir schauten da mal vorbei. Dort stürzt unter der Erde ein Wasserfall 24m in die Tiefe und schafft eine berührende Verbindung zwischen Unter- und Oberwelt. Eurydike verschwand auf Nimmerwiedersehen, als Orpheus der Versuchung sich zu ihr umzudrehen nicht mehr widerstehen konnte. Das ist der Beweis, dass wir am richtigen Ort waren, denn wir sahen sie auch nicht.

Ortsausgang:

Hach, es gäbe soviel zu erzählen! Von der anhaltenden Liebe der Bulgaren zu den Russen, wegen der Vertreibung der Osmanen. Von den ins Souterrain gebauten Kirchen, weil eben die Osmanen keine Kirchen erlaubten, die höher waren als ein Reiter. Vom eigenartigen Kurs Bulgariens im zweiten Weltkrieg. Von heute, von gestern, von vorgestern und all das in diesem wunderschönen Land. Undundundund. Aber es ist eben ein Taiwan/China-Blog. Da hilft alles nichts.

Und die Sau war schnell und ist schon durch durchs Dorf.