Archiv für den Monat: Januar 2012

Wenn der Esel mit der Schlange

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und dem Ochsen, dem Shrimp, dem Hirsch, dem Fisch und dem Phönix:

dann, ja dann steht das Drachenjahr vor der Tür. Das behauptet jedenfalls eine Quelle aus der Songzeit, nach der der Drache den Kopf eines Ochsen, das Maul eines Esels, die Augen einer Garnele, die Hörner eines Hirschen, den Körper einer Schlange mit Fischschuppen und die Krallen eines Phönix´ habe.

Der Jahreswechsel in diese Melange tritt heuer sehr früh ein, nämlich jetzt. Am 23.1.2012. Natürlich sind alle ganz aus dem Häuschen. Der Drache! Das kaiserlichste aller Tiere, ja, der Kaiser selbst! Das wird ein Jahr! Mit kawumm und täterää. Nur etwas abgemildert dadurch, dass es ein Wasserjahr ist. Das Wasser macht den Drachen ein bisschen handzahmer, ein bisschen milder.

Natürlich habe ich mich im Netz umgesehen, was das Jahr für mich, eine im Jahr der Feuerziege Geborene bereithält. Das hängt ganz davon ab, erfahre ich, welches Element zu mir gehört. Wäre es Feuer, stünde mir eines der allerschlimmsten Jahre meines Lebens bevor. Das wäre natürlich wahnsinnig bedauerlich. Glücklicherweise bin ich mehr der Wassertyp. Ein schwarzer Affe geboren im roten Ziegenjahr. Wenn jemand jetzt nicht mehr durchsteigt, macht nichts, ich auch nicht. Für den schwarzen Ziegenaffen wird es jedenfalls nicht gar so schlimm. Diese Recherche weckt meinen Ehrgeiz mich noch ein wenig umzutun, was diese ganzen kostenlosen Schickalsberechner so für mein Leben insgesamt vorsehen. Was kümmert mich das eine Jahr? Der protzige Drache? Wenn der mir ohnehin nur ein durchwachsenes Jahr prophezeit?

Ich soll nördlich schlafen, heißt es auf einer einschlägigen Seite. Für ein langes Leben. Aber südöstlich für Gesundheit. Beides gleichzeitig scheint nicht drin zu sein. Oder ich schlafe abwechselnd mal so mal so? Hält eh jung, wenn man nicht in einen Gewohnheitstrott verfällt. Der Kompass verrät mir, dass mein Bett auf der Nordseite des Zimmers steht, ich mit dem Kopf aber nach Westen schlafe. Soll ich mich wirklich umdrehen? Na, ich kann es ja mal versuchen. Arbeiten soll ich östlich, um viel Geld zu verdienen und südlich, um hervorragende Arbeit zu leisten. Östlich hab ich offenbar noch nie gearbeitet. Bis vor kurzem blickte ich zum Arbeiten nach Norden, kein Wunder wenn dabei nichts wirklich bei raus kam. Aber jetzt schaue ich nach Süden. Es kann also los gehen. So weit so gut.

Als ich dann allgemein meine Glücksentwicklung im Laufe meines Lebens abfragte, taten sich Abgründe auf. Der eine elektronische Wahrsager teilt mir in 10Jahresschritten mit, dass vom 11. bis zum 40. Lebensjahr das Glück schlicht gegen mich sei. Das wäre nicht sooo schlimm, denn das ist ja nun schon vorbei. Von 41 bis 70 sei aber immerhin noch das Wohlstandsglück gegen mich. Richtig für mich ist in der Zeit auch kein anderes Glück. Das ist insgesamt schon etwas bedauerlich. Aber wenn ich die 70 erstmal hinter mir habe, prophezeit mir das Netz, dann beginnt meine Glückssträhne. Und hält an und hält an. Bis ins 130. Lebensjahr! Wow! 60 Jahre Glückspotenzial. Die Frage ist nur, wieviel ich davon erleben werde. Zu blöd.Vielleicht werde ich posthum berühmt? Aber macht einen das glücklich? Vielleicht bin ich dann so ein halbes Jahrhundert einfach wahnsinnig glückliches Wurmfutter? Und nähre glückselige Würmer, die wiederum ein paar Vögel vor Lebensfreude singen lassen? Das ist schon eine schöne Vorstellung. Obwohl ich Glücksvorstellungen nach dem Tod grundsätzlich skeptisch gegenüberstehe. Auch ist es nicht wirklich ein Gedanke, der einen tagträumen lässt: wenn ich einmal groß bin, dann bin ich eine glückliche Leiche für glückliche Würmer. Ob es dann überhaupt noch Erdbestattungen gibt? Und ob man Särge verwenden darf, die vor dem Ablauf vor 500 Jahren einen Wurm durchlassen?

So richtig zufrieden war ich also mit dem Ergebnis meiner Glücksprognose nicht und versuche es bei jemand anderem. Da sieht es dann auch gleich besser aus. Hohe Glücksbalken ab meinem 11. Lebensjahr. Ich habe keine Ahnung, warum ich von 0-10 nirgends Analysen bekomme. Nicht gut, nicht schlecht, nur nichts. Aber ab dem 11. Lebensjahr schwanken die Glücksbalken zwar ein wenig in der Höhe, aber sie sind immer hoch. Heiraten, Geschäfte eröffnen etc.  sollte ich in den Phasen hoher Glücksbalken. Das ist schön. Ich kann praktisch ständig heiraten und neue Geschäfte eröffnen. Oder andere wichtige Lebensentscheidungen treffen. Es ist doch ganz klar, dass dieser Wahrsager viel mehr Ahnung hat, als der andere, oder?

Aber wer will das so genau sagen. Und so komme ich schließlich zum Drachen zurück. Bei diesem soll man nämlich niemals gleichzeitig Kopf und Schwanz sehen können. Das kann sich nur auf die Begegnung mit einem echten Drachen beziehen, denn in Abbildungen ist beides üblicherweise ohne größere Probleme sichtbar. Jedenfalls macht dieses nie Anfangundendegleichzeitigsehenkönnen den Drachen unvorhersehbar. So auch sein Jahr. Ich will jetzt nicht nörgeln. Aber ganz kann ich es mir doch nicht verkneifen: Ist es nicht meistens so, dass man am Anfang des Jahres nicht weiß, wie es hinten ausgeht? Der Mensch unterscheidet sich da auch nicht so stark vom Drachen. Gesicht und Hintern sieht man nur in eher absonderlichen Haltungen gleichzeitig. Wie auch immer: dieses Jahr ist die Ominösität eben amtlich. Es wird also ein Jahr unter dem Motto: kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich´s Wetter oder es bleibt wie es ist. Nur eben nicht mit einem Hahn, sondern mit einem Drachen. Und der sitzt auch nicht auf einem Misthaufen, sondern schlängelt sich durch den Himmel, die Wolken, die Flüsse und die Ozeane. Was macht er dabei wohl für Geräusche? Abgesehen von Luftzuggeräuschen. Muhen, i-ahen, röhren oder singen? Oder ist der Drache stumm wie die Schlange, der Fisch und das Garnelentier? Vermutlich. Also: schweigt der Drache in der Gischt, ändert sich was oder eben nüscht.

Drachenjahrgeborene sollen durchsetzungsstark, mächtig und prächtig sein, manchmal aber nicht so wahnsinnig sozialkompatibel. Um ein besseres Gefühl für den Drachen zu bekommen, google ich mich ein wenig durch Politikergeburtsdaten, da müssten sie sich ja tummeln, die Drachen. Ich werde enttäuscht. Wenn sich da überhaupt ein Zeichen signifikant abhebt, ist es das Pferd. Eine ganze Pferdeherde. Merkel, Sarkozy, Hu Jintao (Generalsektretär KP Ch), Wen Jiabao (Premierminister), um nur einige zu nennen. Die Zeit der Pferdepotentaten scheint sich aber dem Ende zu nähern, denn auch Gaddafi war eins. Womöglich auch Kim Jong Il, der aber soviel Gedöns um sein Geburtsjahr machte wie irgendeine B-Schauspielerin, so dass er vielleicht auch Schlange war. Wie Assad. Vielleicht geht ja auch die Zeit der Schlangengrubenpolitiker zu Ende? Und was ist eigentlich der ominöse Kim Jong Un? Der ist ja noch mehr Diva als sein Herr Papa. Wir dürfen sein Geburtsjahr nicht wissen. Denn was könnte das über ihn verraten? Die Daten reichen von 1982-1984. Er also könnte Hahn (z.B. Osama Bin Laden), Hund (z.B. George W. Bush) oder Schwein (z.B. Schimon Peres) sein. Wenn das mit dem Geburtstag am 8.1. nicht stimmt, könnte er sogar Ratte sein (z.B. Berlusconi). Nichts genaues weiß man nicht. Aber richtig nach Entspannung klingt das alles nicht. Das liegt natürlich ein kleines bisschen an meiner tendenziösen Darstellung. Denn ich hätte genausogut Marjana Satrapi (iranische Filmemacherin), Pratibha Patil (Präsidentin von Indien, schon mal gehört?), Woody Allen oder Louis Armstrong auswählen können. Aber ich kann mir den obskuren Kim Jong Un nun wirklich nicht beim Zeichnen subversiver Comics, als gewählte Präsidentin, intellektuellen Komiker oder Musiker vorstellen. Ich mein, es muss ja ein wenig passen zur Person.

Bitte wo sind denn die mächtigen, die beeindruckenden, die herrlichen Drachen? Obama ist beispielsweise Büffel, genauso wie die VR China. Seine Frau Michelle ist Hase, wie der Mossad oder unser Nichtpräsident Gauck. Premierminister Manmohan Singh ist Affe, Ahmadinejad dito. Aber Drache: Juliette Binoche. Garnelenaugen, ok. Aber mystische Größe? Michael Ballack. Ja. Toll. Vielleicht ist die große Zeit der Drachen einfach vorbei? Denn früher, ha, da gab es welche: Jeanne d´Arc, Immanuel Kant, Martin Luther King, Pelé, Sigmund Freud, Florence Nightingale, Oscar Wilde, Marlene Dietrich, John Lennon etc. Gut, da ist auch kaum ein Politiker dabei. Wahrscheinlich habe ich falsch gesucht. Die falsche Prämisse. Als hätten Politiker so viel zu sagen! Aber einen habe ich doch gefunden: herrisch, undurchschaubar, schwieriges Sozialverhalten, durchsetzungsstark, quasi mystisch: Wladimir Wladimirowitsch Putin. Hurra. Da muss die Schlange Medvedev als Präsident wohl weichen.

Wir werden sehen. Insbesondere werden wir am Ende des Drachenjahres wieder schlauer sein, als am Anfang. Soviel steht fest.

PS: Christian Wulff ist übrigens ein Schwein.