Archiv für den Monat: Februar 2010

Fingerzeige

Tiger

Mitten im Schnee begann mit dem chinesischen Frühlingsfest am Valtentinstag das Jahr des Tigers. Tiger heißt auf Chinesisch Hu. Hu Jintao (who? Hu!) schreibt sich jedoch anders und ist auch kein Tiger, sondern Pferd.

Es gibt ein Pendant zu Amerikanischen Wissenschaftlern und das sind die Honkonger Astrologen, die auch gerne mal etwas feststellen. Insbesondere natürlich zu chinesisch Neujahr. So ließen sie verlautbaren, dass dem Büffel Obama ein erfolgloses Jahr bevorstünde. Denn Obama bräuchte für das Gelingen seiner Pläne Wasser auf die Mühlen, der Tiger sei aber die Mutter des Feuers. Auch Ban Ki Moon, soll nichts zu lachen haben, ist er doch selbst im Jahr des Affen geboren, dem Erzfeind des Tigers. Vor der gleichen Problematik steht im Übrigen der Toyotachef Akio Toyoda.

Die Feuernähe des Tigers soll insgesamt zu einem wenig friedlichen Jahr führen. Nukleare Bedrohung aus Nordkorea, kriegerische Auseinandersetzungen, Terroristen, sinoamerikanische Schwierigkeiten etc pp. Richtig unerwartet klingt das irgendwie nicht. Dass das Jahr unter dem Element Metall steht, soll diese Probleme noch verschärfen. Auf der anderen Seite belebt Feuer das Geschäft. Dieses fehlte in den letzten Jahren und das löste erst die Finanzkrise aus. Ach so.

Besonders erfolgreich werden natürlich metallgebundene Industrien sein: Maschinen, Autos, High Tech und Banken.  Hat Toyota also doch eine Chance? Nach einer sonderlich friedlichen Zeit klingt es jedenfalls tatsächlich nicht. Bei der Vorhersage von Naturkatastrophen widersprechen sich die Wahrsager, aber alle sind sich einig darüber, dass es in einem Jahr das von Metall und Feuer regiert wird, eins im Überfluss geben wird: Verkehrsunfälle.

Bevor man sich aber mit apokalyptischen Vorstellungen ängstigt,  erzähle ich lieber eine Anekdote:   Drei Kandidaten für das altchinesische Staatsexamen begaben sich zu einem berühmten daoistischen Wahrsager, um ihn nach ihren Erfolgsaussichten zu befragen. Der Wahrsager ging in sich, schloss die Augen und hielt ihnen schließlich wortlos einen Zeigefinger hin. Die Kandidaten verstanden nicht und fragten nach. Der Daoist schmiss sie mit den Worten, dass sie das himmlische Zeichen schon noch verstehen würden, raus.

Ein Diener fragte dann den Wahrsager: „Hieß der Zeigefinger, dass einer die Prüfung bestehen würde? Der Daoist nickte bestätigend. Der Diener hakte nach: „Aber wenn nun zwei von ihnen die Prüfung bestehen?“ „Dann heißt es eben, dass einer sie nicht bestanden hat.“ „Wenn aber alle drei bestehen?“ „Das bedeutet, dass sie alle auf einmal bestanden haben.“ „Und wenn keiner besteht?“ „Dann sind alle auf einmal durchgefallen.“ „Ah“, sagte der Diener, „jetzt verstehe ich, was mit einem göttlichen Zeichen gemeint ist!“

In Zusammenhang mit bedeutungsvollen Fingern fällt mir noch eine andere Geschichte ein, die allerdings aus Japan stammt: Ein Mönch suchte Obdach in einem Kloster. Der Abt sagte, dass er bleiben könne, wenn er vorher eine theologische Debatte gewönne. Als Gegner der Debatte wählte der Abt seinen einäugigen Bruder aus, der ein wenig einfältig war. Er bestimmte außerdem, dass der Disput wortlos zu erfolgen hatte und verließ den Raum. Nach kurzer Zeit sah er, wie der reisende Mönch sich anschickte, das Kloster wieder zu verlassen. Er hielt ihn auf und fragte nach dem Verlauf der Debatte.

Der Mönch sagte: „Ich hielt einen Finger hoch, um auf den einen Buddha hinzuweisen. Ihr Bruder hob zwei Finger, um mich darauf hinzuweisen, dass Buddha und seine Lehre gleich wichtig seien. Daraufhin hob ich drei Finger, um die drei Säulen, Buddha, die Lehre und seine Anhänger anzudeuten. Da stieß mir Ihr Bruder seine Faust ins Gesicht und machte mir damit klar, dass Buddha, die Lehre und seine Anhänger eins sind. Ich habe also verloren und muss nun gehen.“ Sprach´s und verschwand. Verwundert suchte der Abt seinen Bruder auf und bat ihn ebenfalls um eine Schilderung des Disputes.

Dieser berichtete aufgeregt: „Dieser unverschämte Mönch hob einen Finger, um mich wegen meiner Einäugigkeit zu verspotten. Ich wollte höflich sein und beglückwünschte ihn mit dem Zeigen von zwei Fingern zu seinen zwei Augen. Aber er ließ nicht locker und hob nun drei Finger, um auszudrücken, dass wir zusammen nur drei Augen hätten. Da konnte ich mich nicht mehr beherrschen und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.“

Also der einäugige Mönch könnte schon ein Tigerjahrgeborener sein. Geradeheraus, ehrlich, emotional, vital, cholerisch, spontan. Letztlich auch überzeugend und mitreißend. Der reisende Mönch klingt weniger nach Tiger. Redlich und rational. Subtil, nachdenklich. Kein Durchsetzungsvermögen. Von Tollkühnheit und Charisma keine Spur. Bekannte Tigerjährlinge sind beispielsweise Queen Elizabeth II, Beethoven und Ho Chi Minh. Wir werden ja sehen, was das alles bedeutet. Zumindest hinterher.